German poem
Aus der Humoreske „Die Kunstreise nach Hümpeldorf“
by Otto Ernst Schmidt (1862–1926)
Ich hatt' ein Tönnlein Freud' im Haus, Da kamen Gesellen in Haufen. Ich kriegt' ein Oxhoft Leid ins Haus, Das durft' ich selber saufen. Da hat sich hell mir aufgetan Die Zecherregel feine: Mit Freunden teil' ich meine Lust; Mein Leid trink ich alleine.
Da sinkt mein Auge tief hinab In kühle Dämmerungen, Und leise spricht der Sinn der Welt In wunderbaren Zungen. Und steigt das trunkenvolle Herz Aus Bechers Grund zum Lichte, Dann sind ihm Mensch und Fels und Hain Umleuchtete Gesichte.
So trank ich denn in mancher Nacht Von manchen herben Weinen Und stand nach jedem Bacchanal Nur fester auf den Beinen. Und wenn das stumme Fest gewährt Bis an die frühe Sonne, Dann war das dunkle Weh verweht Vor einer klaren Wonne.
Auch hab' ich ja in weiter Welt So viele Trinkgesellen. Ich hör' sie wohl und seh' sie wohl In ihren stillen Zellen. Durchs Dunkel fand ich ihren Blick, Wenn unterm Abendsterne Ich leise sprach: Ich bring' es euch, Ihr Brüder in der Ferne.
Nur ein—ein lieblicher Kumpan Sitzt lebend mir zur Seite Und heischt den schlimmst' und schwersten Wein Und zecht mit mir im Streite. Von seinem Durst und seiner Treu Ach, Wunder wollt' ich künden— Doch singt ein rechter Ritter nichts Von seiner Dame Sünden.