German poem
Aus umnachteten Stunden
by Otto Ernst Schmidt (1862–1926)
Du liegst so lächelnd schön Auf deinem weißen Bette, Als ob ein süßer Traum Dich fest umsponnen hätte.
Wie schlummerst du so tief Mit schweigendem Behagen!— Sie haben mir ins Haus Viel duftige Blumen getragen.
Die schwellenden Düfte wehn Betäubend durch die Räume; Es kreisen durch mein Haupt Die wilden Liebesträume.
Mit reicher Blumenpracht Will ich dich leise schmücken; Wenn du's erwachend siehst, Wie wird es dich beglücken!
Die goldne Primel ins Haar, Daß wie ein Stern sie gleiße, Die dunkle Nelkenglut Auf deiner Schultern Weiße.
Um deine knospende Brust Die kaum erblühten Rosen, In deine weiße Hand Die Lilien, die makellosen.
O komm! Erwach', erwach', Daß ich dich heiß umfange!— Huscht nicht ein warmes Rot Über die zarte Wange?
Die schwellenden Düfte wehn Betäubend durch die Räume; Es kreisen durch mein Haupt Die wilden Liebesträume.
O komm! Erwachst du nicht Von meines Herzens Pochen? Hat meine Sehnsucht nicht Im Traum zu dir gesprochen?
Ich küsse in taumelnder Lust Dein Antlitz, das süße, bleiche— Dein Lager ist ein Sarg, Und du bist eine Leiche.—