Versos German Otto Ernst Schmidt Lob der Sparsamkeit

German poem

Lob der Sparsamkeit

by (1862–1926)

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Es meint der Filz, sobald er hört Von Kneip- und Bummelei, Im Tugendbusen jach empört, Daß dies Verschwendung sei. Er rechnet aus, wieviel es bringt, Wenn er sein Lebtag Wasser schlingt. Vivallera.

Einseitig wie ja die Moral Bei solchen Menschen ist, Was wir ersparen beim Pokal, Zu schätzen sie vergißt. Es spart der Mensch, solang er kneipt Und möglichst lange sitzen bleibt. Vivallera.

Was spart er nicht beim Bier allein An Knödeln und an Brot; Denn wo ein Brauhaus steht, ich mein, Da ist kein Backhaus not, Auch wird er keine Schuh zergehn, Solang sie unterm Biertisch stehn. Vivallera.

Schont er daheim das Sofa nicht Und andres Mobiliar? Und spart er Feurung nicht und Licht? Was macht das nicht im Jahr! Was hab ich nicht auf solche Art An Streichelhölzern schon gespart! Vivallera.

Es schont, solang er sitzt beim Bier, Dem Trank, so herb und kühl, Der Tönekünstler sein Klavier, Der Dichter sein Gefühl, Der Bilderhauer seinen Lehm Und das Modell noch außerdem. Vivallera.

Der Lehrer schont das Bakelrohr, Der Richter schont das Recht, Es schont der Sänger den Tenor, Je mehr er qualmt und zecht. Ja manch ein Landesvater schont Sogar das Volk, worauf er thront. Vivallera.

Und überleg ich's mir einmal, So geht mir's völlig ein: Ich muß ein Mann von Kapital Und schon ein Krösus sein. Schläfriger Wirt, sei aufgeweckt Und pump mir eine Flasche Sekt! Vivallera.