Versos German Otto Ernst Schmidt Traumhüter

German poem

Traumhüter

by (1862–1926)

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Unter meiner Obhut schlummert Mir ein Töchterlein im Zimmer, Kindesunschuld in den Zügen, Auf den Wangen Rosenschimmer.

Und vom Buch, darin ich lese, Laß ich oft die Blicke gleiten Nach dem Kindlein, dessen Antlitz Glüht in Traumesseligkeiten.

Blühend mag sich einst entfalten Jene Knospe dort im Kissen, Und es wird die Welt ihr schenken Für den Kindertraum—das Wissen.

Und die frommen Mädchenaugen Werden groß ins Leben schauen, Und in Zweifel wird sich wenden Manch ein seliges Vertrauen.

Wüßt' ich einen ihr zur Seite, Der mit sorglichem Bemühen Von den jungen Augen wendet Allzu dreisten Lichtes Sprühen!

Der den Tag des Welterkennens Bannt, daß er in Gnaden säume Und zu früh nicht blendend dringe In das Reich der Kinderträume!