Versos German Otto Ernst Schmidt Trotz der Lüge

German poem

Trotz der Lüge

by (1862–1926)

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Hast du dir in der Seele Gelobt mit starkem Eid, Zu kämpfen für die Wahrheit In jedem Erdenstreit, So darfst du nie dich zeigen Entwaffnet und besiegt, Wie schreckbar auch und drohend Der Feind im Felde liegt.

Vielleicht, daß ein Gewalt'ger Dich richtet und verdammt, Weil deines Geistes Leuchte Zu hell die Nacht durchflammt; Doch schlimmer sind die Feinde, Die meuchlings dich bedroh'n Mit Trug und feiger Lüge, Mit scheelem Neid und Hohn.

Du wirst sie kennen lernen, Die angstvoll-herbe Qual, Daß du um solche Feinde Verzagst am Ideal, Daß alles dir im Geiste Zusammenbricht und fällt Und dir entgegendüstert In öder Nacht die Welt.

Dann aber darfst mit nichten Du still von dannen gehn, Es darf in deinen Augen Nicht eine Träne stehn! Sonst bricht in frechen Tönen Der Feinde Jubel los; Sie nähren ihre Freude Mit deinen Schmerzen groß.

Nein, lachen sollst du, lachen Der schnöden Meuchlerzunft! Und ob sie schon nicht hörten Die Stimme der Vernunft, Ob sie des Mitleids Regung Fühllos vernommen nie— Dein trotzig, fröhlich Lachen Betäubt, vernichtet sie.

Da prallen Pfeil und Lanze Von deinem Panzer ab; Du schreitest klaren Auges Hin über Tod und Grab. Die Feinde werden scheuen, Führst du mit Lachen Krieg Und mit geruhigem Glauben An den gewissen Sieg.