Versos German Otto Ernst Schmidt Wilde Frühlingsboten

German poem

Wilde Frühlingsboten

by (1862–1926)

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Nicht nur im lindern Hauche der Lüfte, Nicht nur im wärmern Glanze des Lichtes, Nicht nur im ersten Zagen, süßen Augenaufschlag Des jungen Lebens Fühl' ich die Bälde Kommenden Frühlings, Ahn' ich die Nähe Kommender Lust.

Ihr auch Boten Des nahen Lenzes, Ihr auch Künder Des neuen Werdens, Seid mir willkommen, Brausende Winde, Felder und Wälder Durchheulende Stürme, Ihr auch, dunkle, Donnertragende Wetterwolken, Seid mir gegrüßt!

Irgend im weiten Endlosen Raume Hebt ihr, Stürme, Die wucht'gen Schwingen, und die Blitze, Den lauten Donner Zu kühnen Gesellen, Singt ihr im Fluge Durch alle Lande Der neuen Schöpfung Heiligen Anfang.

Ihr sprecht die Worte Flammender Sehnsucht, Ihr singt die vollen, Allgewaltigen, Rauschenden Töne Des kühnen Verlangens; Ihr seid der Wille, Der unzerbrechliche, Ihr die entfesselte Helle Begeistrung, Heraufbeschworen Vom Druck der Ketten Aus langer, schrecklicher Winternacht!

Ich möchte werfen Die Brust entgegen Dem wilden Gesange, Dem heiligen Rauschen Und mit dem Herzen, Dem sehnsuchtweiten, Auffangen die Schauer Des Frühlingssturms!

Horch, wie im Krachen Zürnender Donner, Horch, wie im Rasen Heulender Stürme Süße Verkündung Lieblich ertönt:

„Singen bald werden Die Nachtigallen, Duften die Wälder Blühender Rosen, Wogen die Meere Goldener Ähren, Rauschen der Bäche Schäumende Wasser, Strahlen die Augen Glücklicher Menschen, Jubeln die Herzen Alle der Welt!“