German poem
Winter
by Otto Ernst Schmidt (1862–1926)
Die Sonne schwimmt in Nebeln rot; Es lockt kein Laut vom dunkeln Walde. Verödet liegt im Schnee die Halde; Die weite Welt ist still und tot.
O Friede wundersam und mild! Ruht nicht das Herz vom hast'gen Schlage? Ist nicht verstummt die laute Klage, Die ehedem kein Trost gestillt?
Mein Auge sah am Frühlingstag Den Tod aus bunten Blumen locken; Am liebsten unter Blütenflocken Er seinen Samen streuen mag.
Mein Auge sah durch Winternacht Den Lichtglanz holder Freude glühen, Auf bleichen Wangen Rosen blühen, Vom Hauch der Liebe schnell erwacht.
Drum, stille Hoffnung, grüne auf! Scheu nicht des Winters Hauch, den kühlen; Das Herz in seinem tiefsten Fühlen Hat seinen eignen Jahreslauf.