German poem
Das Stirnhaar leicht mit Puder angegraut
by Paul Heyse (1830–1914)
Das Stirnhaar leicht mit Puder angegraut, Den Schopf gekrönt mit falscher Flechtenmasse, Ihr Fähnchen lang nachschleifend auf der Gasse, Bachstelzenhaft, mit zwitschernd hellem Laut;
Zu jedem Mannsbild, das herüberschaut, Hinäugelnd, ob ein Netz sich werfen lasse, Nicht schön, doch zierlich, von gemischter Rasse, Kohlschwarz das Aug, ein bleiches Braun die Haut:
So gehn Neapels Töchter vom geringern Stand dir vorbei und scheinen keck zu sagen: Wir sind nicht Römerinnen, mußt du wissen.
Den Austern gleichen wir, den kleinen Dingern, Die auch, wie wir, das Altern nicht vertragen, Doch frisch geschlürft sind sie ein Leckerbissen.