German poem
Der unbegreifliche Muskel
by Peter Rosegger (1843–1918)
In Gluten und Fiebern lag ich dahin, Der Doktor kam jeden Tag, Befühlte den Puls und verschrieb mir Chinin, Behorchte des Herzens Schlag.
Er horchte durchs Röhrchen, er legte das Ohr Zur Stelle, wo's seltsamlich schlug, Es zitterte leis, und es wogte so heiß, Er wurde durchaus nicht klug.
Der Muskel, er hämmert mit bräutlicher Kraft, Und doch ist's ein Todesringen! Wie läßt sich nur mit der Wissenschaft Das Ding in Einklang bringen?
—Und wenn ich dich soll belehren, Freund, Ich sag' es nicht zum Scherze, Was dir nur als ein Muskel erscheint: Das ist—ein Dichterherze!