Versos German Peter Rosegger Es war einmal ein Bettelmann

German poem

Es war einmal ein Bettelmann

by (1843–1918)

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Der hatt' einen goldenen Ring, Sein einzig Eigen war dies Ding Noch von der Mutter her. Das Eigentum ward ihm zu schwer. Er wankte fort zur Morgenstund', Zu schleudern in den tiefen Grund Sein Kleinod, daß in Glück und Mai Die Gottheit ihm nicht neidisch sei. Ein Weiser siehet voll Erbarmen Den alten Mann, den siechen, armen, Und fragt: »Du guter Bruder mein, Um was soll sie dir neidisch sein, Die Gottheit? Sprich!« »Um was? Um was denn sonst? Um mich. Sonst hab' ich nichts, weil ich nichts brauch'; Was Glut ihr nennt, das ist bloß Rauch. Was Gut ihr nennt, erstickt die Lust; Doch unermeßlich ist der Reichtum Meiner Brust.« Der Weise blickt den Bettelmann Mit gut gespieltem Mitleid an. Der andre merkt's und lächelt so, Als wär' er seiner Armut froh: »Ich dauere euch, ihr dauert mich! Ihr sagt auch, ich sei lahm und siech. Ich weiß es nicht. Mein froher Sinn Fliegt selig durch die Himmel hin.« Der Weise spricht: »Dein Reichtum groß Kam nicht dir aus der Erde Schoß. Und was die Götter dir geschenkt, Das nehmen sie nicht mehr zurück, Und neidlos bleibt zu eigen dir Dein erdenfreies Glück.— Nur wer, der rohen Triebe Knecht, Aus irdischer Hand sein Heil empfing, Der opfere bang und demutsvoll Den Göttern seinen Ring.«