German poem
Es kann einem wunderlich träumen!
by Peter Rosegger (1843–1918)
Nun wollt' ich schlafen. Das Tagwerk ist recht hart gewesen. Bin ich erschaffen Für Bauernbrot und Bauernnot? Das ist meine Frag' gewesen. Da seh' ich ein Häuslein wohl schön gebaut, Und ein Weib in Huld zum Fenster ausschaut; Der Fenster waren eben drei, So schauten aus auch Kindlein zwei Und riefen: Vater!—Ich tat mich heimen. —Es kann einem wunderlich träumen!
Dann ging ich dichten. Und die Leute taten mir Kränze winden. Und muß berichten: Eine Maid sagt: Du bist mein allein, Ich will dir Sträußlein im Lenze binden. Ich sag': Was soll mir dein Blumengruß, Wenn ich ein Geheimnis verschweigen muß, Daß Fraue du zu aller Frist Mein' herzallerliebste Freude bist! Drauf tat sie mit Küssen nit säumen. —Es kann einem wunderlich träumen!
Jetzt kamen Freunde Und taten mich in die Ferne führen. Mein Lieb, das weinte. Ich steig' zum Glück, sie bleibt zurück Und klagt: »Ich wollt' dich gerne führen!«— Ich finde Freude, Gut und Geld Und alle hohe Ehr' der Welt.— Endlich die Lieb' mich zur Heimat ruft, Da find' ich die Maid in der Totengruft. Drum sollst du dein Herz nicht versäumen. —Es kann einem wunderlich träumen!