German poem
In einer Waldkapelle
by Peter Rosegger (1843–1918)
»Aus Todesbanden Ist der Sohn erstanden, Und sie, das heiligste Weib der Schmerzen, In der ewigen Jugend Strahl, Stieg empor auf Rosenwolken Zum himmlischen Königssaal.«— O, Dank den Zungen, Die dies Lied gesungen Das erstemal in Glauben und Hoffen. Unser Leib sinkt der Erde zu, Doch dir, o Herz, steht im Lichte Heiliger Dichtung der Himmel offen! In Lebensstürmen verlischt der Schimmer, Der kindliche Glaube vergeht wie Tau. Und kommt wie Tau. Denn eins laß ich nimmer: Das glorreiche Anbild der göttlichen Frau.
Maria, Maria, Mit deinen Schmerzen, Mit deinen Freuden! In meinem Herzen Bist von allen Den Idealen, Den herrlichen, süßen, lieben, Mir du noch geblieben. Deines Gedächtnisses Segen Möge uns retten Aus der Verzweiflung finsteren Wegen, Aus der Leidenschaft ehernen Ketten. —O, ewigen Preis Der Gebenedeiten, Der Gnadenreichen! Erd' und Himmel zu allen Zeiten Haben nichts, dir zu vergleichen. Die Könige ruhen zu deinen Füßen, Die Scharen der heiligen Engel küssen Den Saum deines leuchtenden Kleides; Und in den Kammern Des Elendes jammern Die lichtlosen Kinder des Leides; Die Gefallenen weinen Zu dir, der Reinen, Die gebrochenen Herzen, Die verlornen Seelen Dürsten nach deinen labenden Quellen. Auf Schutt und Trümmern Irdischer Freuden, Auf teuren Gräbern, Unter Trauerweiden Blicken Augen tränenumhüllt, Suchen, Maria, Du Mutter der Liebe, Dein himmlisches Bild.—
O, laß uns Kinder der Erde nimmer Verlieren ganz deiner Minne Schimmer. Maria, Maria, dies bitten wir! Und wenn Felsen stürzen Und die Himmel beben, Huldreiche Frau, Laß bestehen, laß leben Im Menschenherzen Das süße Bild von dir!