German poem
Des betrübten Mahrholds Klage
by Philipp von Zesen (1619–1689)
Marhold saß in liebs-gedanken mat von seufzen bei der A/ als ihn gleich in liebes-schranken Adelmund/ sein nein und ja/ Adelmund/ sein preis/ geschlossen/ und mit liebes-tau begossen.
Ach! sprach er/ wie manche Schöne hat mier ihre gunst geschenkt: Tausend Töchter gab mier Vene/ derer Liebe mich gekränkt. Tausend haben mich bewogen/ und durch gunst zur gunst gezogen.
Ich war gleich im ersten blühen/ als mich Himmels-hulde schohn pflag in ihre haft zu ziehen/ ach zu früh! durch ihren tohn/ der so überlieblich schallte/ und durch alle sinnen hallte.
Reinahrt war die zweite flamme; Lielje ward mier bald entrükt: dan hat mich die Liebetamme kaum drei wochen lang entzükt. Hildegond und Adelheit brachten auch für freude leid.
Erdmuht hätt' ich schier vergessen/ die so manchen lieben tag mier in armen hat gesessen/ die mier lang im hertzen lag. Doch die allertiefste wunde/ machte meine Rosemunde.
Rosemund/ die ohne tadel/ fol von tugend/ schöhn und glat/ reich und von uhraltem Adel/ aus der großen Venen-stadt: Diese machte solche wunde: itzund ist es Adelmunde.
Doch ich weis nicht was ich tuhe/ Rosemund liegt mier im sin/ und vergönnt mier selten ruhe; ob sie schohn ist längsten hin. Mein verhängnis hält mich feste/ Himmel/ zeuge mier das beste.
Leber-reim.
Die leber ist vom hecht/ von keiner taube nicht/ drüm/ Liebste/ weg mit ihr; sie ändert sinn und licht.