German poem
Im Kreislauf des Jahres
Im Kreislauf des Jahres.
Es schmolz der Schnee in allen Forsten Vor linder Nächte warmem Hauch; Der Flüsse Panzer ist geborsten Und Kätzchen trägt der Weidenstrauch. Am Raine sonnen sich die Lurche, Es weicht dem Grün das öde Grau, Und aus der braunen Ackerfurche Schwingt eine Lerche sich in’s Blau. Schon irrt ein Falter auf und nieder, Die Imme summt am Waldessaum —
Die schweren Wetterwolken drohen Nach schwüler Zeit mit ihrem Zorn; Der Donner grollt, die Blitze lohen, Und unter ihnen reift das Korn. Der Kuckuck ruft, der Pirol flötet, Es hebt in Wirbeln sich der Staub, Und munter und verheißend röthet Die Kirsche sich im dunkeln Laub. Es wogt und wallt das Meer der Aehren Im Radenschmuck bei Wachtelschlag;
Entblättert sind die Heckenrosen, Des Waldes Sänger sind entflohn; Es stehn die fahlen Herbstzeitlosen In allen Wiesengründen schon. Die Traube schwillt, die Früchte reifen, Es prangt der Hain in bunter Pracht; Des Nordens Wandervögel pfeifen Hoch über Dir in stiller Nacht. Die Zeit des Welkens und Verschwebens Läßt keine Seele ungerührt;
Es schneit in dichten, grauen Flocken, Und in den Lüften heult es bang; Der Schnee hängt auch in Deinen Locken Und schwer und müde wird Dein Gang. Es kracht das Eis, die Tannen ächzen, Und höher steigt der weiße Wall, Und wenn die Raben hungrig krächzen — Wer denkt noch an die Nachtigall? Dann sorge, daß noch in den Scherben Der heil’ge Sonnenschein sich bricht,
R. L.