Versos German Rudolf Lavant Im Kreislauf des Jahres

German poem

Im Kreislauf des Jahres

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Im Kreislauf des Jahres.

Die ersten muntern Lerchen schwirren, Die ersten Veilchen spenden Duft, Die ersten gelben Falter irren, Geweckt von lauer, linder Luft; Nach einem sanften, feinen Regen Deckt grüner Hauch den braunen Hag Und Alles sprießt und knospt entgegen Dem großen stolzen Blüthetag, Und einem unermess‘nen Hoffen Und einem leichtbeschwingten Traum Steht auch des Aermsten Seele offen Und zweifelt an dem Schönsten kaum.

Im reifen Korn die Sensen blinken, Geschwungen von des Armes Kraft, Und wie die Schwaden niedersinken Und emsig man die Garben rafft; Und wie bei fernem Donnergrollen Und ferner Blitze mattem Sprüh’n Die Erntewagen heimwärts rollen Und dampfend sich die Rosse müh’n Will auch ein Ahnen Dir beschleichen In nächt’ger Stille das Gemüth, Als werdest nimmer Du erreichen, Was Du gehofft, als es geblüht.

Die letzten Früchte an den schwanken, Gesenkten Zweigen sind gereift, Die Winzer haben von den Ranken Die letzte Traube schon gestreift; Die Rosen bleichen und verwehen, Auf leisen Sohlen naht der Tod, Und mit dem blauen Hauch der Schlehen Mischt sich der Hagebutten Roth; Ihr welkes Laub verstreu’n die Bäume, Zum Friedhof wird der grünste Ort, Und Deiner Seele liebste Träume Zieh‘n mit den Wandervögeln fort.

Es liegt die Welt in Schnee vergraben, Der Tag hat nur ein fahles Licht; Ein Schweigen herrscht, das nur der Raben Gekrächz zuweilen unterbricht, Und wie die kahlen Bäume ragen Fragst Du mit zweifelndem Gemüth, Ob wirklich einst in Maientagen Die Welt bei Liederklang geblüht. Die Hände legst am warmen Herde Du müde lächelnd in den Schooß ― Vergehen ist auf dieser Erde Der Menschen allgemeines Loos. R.L.