German poem
Die kleine Lampe
by Rudolf Presber (1868–1935)
Es steht in meinem Zimmer Ein Lämpchen auf dem Pult, Das hat einen freundlichen Schimmer, Das hat eine lange Geduld.
Ist emsig, mir zu dienen, Hat oft, wenn alles schlief, Manch süsse Dummheit beschienen Und manchen Liebesbrief.
Es hat in einsamen Jahren So treu für mich geglüht; Und jüngst hab’ ich’s erfahren: Das Lämpchen hat auch – Gemüt.
Es kam zu heimlicher Feier Die Kleine – zum ersten Mal … Gesichtchen tief im Schleier, Die Schultern tief im Shawl.
Sie kam so scheu, so schüchtern, Sie stand so fluchtbereit – Mein Herz war nicht mehr nüchtern Vor so viel Seligkeit.
Wir sassen beim roten Weine, Sie flüstert: Jetzt muss ich nach Haus – Da ging die kluge, kleine, Taktvolle Lampe aus …