Versos German Susanne von Bandemer Epistel an den Baron S von Μ zu Coburg

German poem

Epistel an den Baron S von Μ zu Coburg

by (1751–1828)

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Epistel an den Baron S** von M** zu Coburg.

Ja, Freund! daß alles eitel sey, Schrieb Salomo, der Juden weiser König; Sey’s Wahrheit oder nicht, mein Herz das stimmt ihm bey: Denn ein erfüllter Wunsch gewährt des Glückes wenig; So bald wir ihn erlangt, verliert er seinen Preis. Gleich einem Kinde jaget Der Jüngling, Mann und Greis Nach dem, was ihm das Glück wohlthätig oft versaget. Auch ich bekam mein Theil von diesem eitlen Streben; Statt in der Gegenwart fein friedlich fort zu leben, Lebt’ ich nur in der Zukunft, unmuthsvoll Bey jedem kleinen Schmerz, den man verschmerzen soll.

Der Kreislauf meines Bluts ist, leider! Durch Gram vergiftet und verdickt; Der Schlaf, der selten mich erquickt, Bleicht meine Wange, wie den Neider, Der sich am eignen Herzen frißt. Nun sagen mir die hochgelehrten Männer, Der Fieber und der Dünste Kenner, Daß nichts so gut als eine Reise ist. Wann nur die Sonne Luft und Erd’ erwärmet, Und Zephyr unter Blumen schwärmet, Die junge Rose wieder blüht, Der Städter gern aus seinen Mauren flieht, Dann soll auch ich dorthin, wo freundliche Najaden Sich mit der Göttin der Gesundheit baden, Die ihre Heilungekraft der Quelle mitgetheilt, Die schwache Nerven stärkt, und alle Übel heilt. Allein ein andrer Wunsch erwacht in meiner Brust – Soll ich ihn dir gestehn? – Ich fühle größre Lust Dort hinzureisen, wo du jetzo bist, Dort, wo Antonie des Landes Wonne ist, Sie, die im Purpur nicht der Menschheit Werth vergißt, Sie nur zu sehn, sie dankbar zu verehren, Und ihren süßen Ton zu hören, Mit dem sie liebevoll Trost in die Seelen spricht: Dies tauscht ich um den Quell der ew’gen Jugend nicht.