Versos German Wilhelm Hertz Erdenleben

German poem

Erdenleben

by (1835–1902)

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O blühende Erdenherrlichkeit, Dir sei mein Herz ergeben, Bis mich entrafft, den Sohn der Zeit, Dein endlos wirkendes Leben. –

Auf deinen Wegen lernte ich Zu hassen und zu lieben; In Glück und Unglück irret mich Kein Droben und kein Drüben.

Du giebst mir Leid und giebst mir Trost: Ich habe zu allen Stunden, Ob der Himmel geblaut, ob der Donner getost, Deines Waltens Segen empfunden.

Das Unvergängliche seh’ ich steh’n In der Dinge Wechsel und Schwanken, Und durch das Streben der Menschheit geh’n Unsterbliche, hohe Gedanken. Du giebst mir den Trotz der männlichen That Und freien Sinn im Genießen; Ich pflücke die Frucht und streue die Saat, Daß auch Anderen Früchte ersprießen.

So schaffet treulich für’s Ewige fort, Doch umarmt noch die eilende Stunde; Denn spurlos schwinden wir selbst, wie ein Wort Der Liebe aus rosigem Munde.

Und ein Schall ist des Namens Unsterblichkeit, Was bleibt vom mächtigsten Schalle? Es brausen die Fluthen der Ewigkeit, – Und vergessen werden wir Alle.

Versenkt ihr mich einst hinab in den Staub, So frömmelt nicht über mein Streben, Deckt schweigend das Grab mit sprossendem Laub, Und wandelt zurück in das Leben! –

Und die Lenze kommen, die Lenze zieh’n, Und die Wetter des Himmels erkrachen; Jahrhunderte schwinden, Jahrtausende flieh’n, Und die Tage der Freiheit erwachen. Sie senden zur dunkelsten Tiefe hinab Des Lichtes flammenden Segen, Und streuen auf mein vergessenes Grab Ihrer Früchte goldenen Regen.