German poem
Vor der Schlacht
by Wilhelm Hertz (1835–1902)
Ist das ein letzter Mondenstrahl, Der dort die Wolken säumt? Ich habe just zum letzten Mal Von Liebchen noch geträumt.
Im Lager ist die Trommel wach, Fern knallet Schuß auf Schuß; Mir brennet auf den Lippen nach Ein thränenheißer Kuß.
Und will mir’s werden weh’ um’s Herz, – Trompeten, blaset drein! Es kann bei weichem Liebesschmerz Kein Reitermuth gedeih’n.
Das freilich geht mir durch den Sinn, Und macht mich traurig schier: Was bleibt, wenn ich gefallen bin, Mein armes Liebchen, dir? Doch auf! Und schwillt dir nicht der Muth? Zwei Leben schirmt dein Schwert: Hau’ drein! Du braves Reiterblut! Der Kampf ist streitenswerth.