Versos German Amand Berghofer Erinnerung an die Jahre der Unschuld

German poem

Erinnerung an die Jahre der Unschuld

by (1745–1825)

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Die Jahre sind vorbey geflossen, Wo ich, ins Grüne hingegossen, Voll heimlich süsser Trunkenheit Empfindungen der Zärtlichkeit In unerfahrner Unschuld träumte, Wo meine ahnungsvolle Brust, Von innen dunkel sich bewußt, Entzückt in ländlich stiller Lust, Nur Regungen der Liebe keimte.

Wie heiter irrten meine Blicke — Noch ungestört durch das Geschicke, Und nicht durch niedre Leidenschaft Mit ungestüm dahin geraft — Hin von des Berges halben Höhen, Dem Feilchenthal, der Quelle hold Die einsam über Kiesel rollt, Der Sonne glänzend Morgengold, Die Schätze der Natur zu sehen.

Noch eh des Urtheils Kräfte reiffen, Die eigne Bosheit zu begreiffen; Da, wo noch kein verbotnes Ach Die stillen Freuden unterbrach; Noch eh durch die verderbten Sinnen Ich Zwist und Tücke, jene Spur Des Fluchs, durch dich, O Welt! erfuhr, Wie friedsam schien mir die Natur! Wie offen waren meine Mienen!

Umschwebt von frohen Amoretten, Lauscht ich in Florens Blumenbetten, Auf junge Weste; sah am Bach Den Spielen kleiner Wellen nach, Durch Büsche schlüpft ich, gleich der Sonne, Im Hayn mit leichten Füssen fort — Oft stund ich plötzlich still: ein Ort Von gäher Aussicht zeigte dort Mir tausend Scenen voller Wonne.

Ich stund betäubt; im Antlitz glühte Ein fremdes Feuer, das vom Geblüte Sanft wallend stieg: ein Reiz zoh ihn, Den truncknen Geist ins Tiefe hin. Ich fühlte, ohne zu verstehen. Ein Etwas, ein geheimer Zug Bewog mein Herz, das stärker schlug; Mein Aug konnt sich nicht satt genug Die anmuthvolle Schöpfung sehen.

Ihr seyd dahin, ihr goldnen Stunden! Nach euch hab ich nicht mehr empfunden, Was Unschuld, jugendlicher Scherz, Ein folgsam, unentweihtes Herz Für Freuden aus der Schöpfung ziehet. Ihr Fluren, wo der Frühling lacht! Seitdem mich Ehrgeiz, Stolz und Pracht Für eure Einfalt fühllos macht, Ist euer Schmuck für mich verblühet.