German poem
Die Seele an ihren schlaffenden Leib
by Amand Berghofer (1745–1825)
Die Handvoll Erde, hier liegt sie, und trauert um ihren Liebling, den Tag, indessen ich, meiner Würde bewußt, über Wolken dahin schwimme, Triebe der Unsterblichkeit aus erhabneren Sphären sammle, und sie mitleidig auf den weichen, mit Unkraut bewachsenen Boden des Herzens verpflanze.
Schon hat die Nacht Ihr trauriges Gefieder Zum leztenmale geschüttelt, schon schmilzt sie hinter die Berge Dämpfend zurück In den Abgrund des Undings;
Denn itzund droht Das Liecht den Finsternissen. Es schlief der Aether im Nebel; Er wacht. Schon schwimmet in Wolken Milderes Weiß, Das allmählich erröthet.
Schon brennt er dort Mit rothgestreiften Stralen, Der Phönix, zwischen den Bergen Im goldnen Neste herüber: Hofnung glänzt so Aus der seligen Zukunft.