Versos German Amand Berghofer Die philosophische Melancholie

German poem

Die philosophische Melancholie

by (1745–1825)

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Die stille Schwermuth zeugt die göttlichsten Gedanken; Sie hebet unsern Geist aus seinen engen Schranken: Es herrscht ein sanfter Ernst auf heiliger Weisheit Bahn, Und zeiget uns den Weg zu bessern Welten an.

Kronegk.

Dein sanfter Einfluß ist ein kühlender Thau am Morgen meines Lebens.

Liebst du den Jüngling, der voll Ehrfurcht deine weisen Eingebungen aufhorcht; o so sey mir zu Seite! begeistre mich mit feyerlichen Tiefsinn! laß in erhabener Stille männliche Gedanken aus der Tiefe meiner Seele empor steigen, wie die Todten aus den Gräbern durch die Stimme der Ewigkeit gewecket! laß deinen rührenden Ernst die gekränkte Sehnsucht der menschlichen Natur in die Höhe lenken!

Statt prächtigen Kleinigkeiten nachzujagen, müde vom Kampfe des Lebens, sinket mein Geist in melancholischen Schlummer dahin, durchdenket die Tiefe der Ewigkeit — und alles wird Nacht in der Schöpfung; die ganze Natur schwärzet sich mit dem Schatten des Todes. Die Pracht der Erde, der Glanz der Welt verschwindet unter mir.

Verlassen, traurig und schüchtern irre ich in diesen Thälern herum. — Ihr furchtsamen Glieder! Stützet noch eine kurze Zeit diesen morschen Körper. Reiche mir deine Hand, O Vorsicht! damit ich auf dem Pfade des Todes tröstlich dort hinüberschreiten möge, wo meine Seele, entkleidet von allem, was trüglich und eitel ist, in ihr glückseliges Vaterland aufgenommen wird. Was Geist ist, kann sie nun, durch diese Hülle verfinstert, nicht sehen; dort wird sie sich selbst, dort wird ihr die Gottheit sichtbar, in deren Vereinigung das Liecht der Wahrheit als der Morgenstern ewiger Glückseligkeit aufgehet.

Ihr schaudernden Thäler, voll melancholischer Krümungen! Ihr dürren Anger, wo schwarze, in Finsterniß zerflossene Bäume auf einsamen Hügeln trauern, wie auf Gräbern, wo ächzende Phatomen sitzen! und ihr ausgestorbenen Gründe, voll staunenden Ernstes! seyd mir ein dunkler Abriß des Todes!