Versos German Amand Berghofer Die Mitternacht

German poem

Die Mitternacht

by (1745–1825)

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Welch tiefen Ernst verbreiten Die einsam stillen Dunkelheiten! In Schlummer, Furcht und Nacht Liegt nun das Irdische verhüllet; Von bessrer Hoffnung angefüllet, Ist nun mein Geist erwacht.

Ich kann in höhern Sphären Itzt reinre Harmonien hören, Da alles horcht und denkt, Da das Gepolter reicher Thoren, Die Pracht der Höfe Aug und Ohren Itzt nicht mehr abwärts lenkt.

Der Städte stolz Getümmel Steigt nicht mehr frech bis zu dem Himmel Mit ihrem Staub empor. Ein stiller Ernst, ein drohender Schatten Bedeckt die unverschämten Thaten Mit einem schwarzen Flor.

Es staunt in dunkeln Bildern, Und einer Gottheit Spuren schildern Bey blassen Schimmer sich. Tiefsinnig schwillt von ihrer Fülle Die ganze Schöpfung; schüchtern, stille Feyert die Natur um mich.

Zum Wunder dieser Erden Stellt des Gestirnes feurge Heerden Der Himmel schaarweis aus; Dem Aug, von heilger Ahnung trunken, Wallt Gottesblick aus jedem Funken Geheimnißvoll heraus.

In unermeßnen Höhen Der Frommen Zukunft auszuspähen, Erweitert sich mein Geist; Prophetischer Trost hat mich entzücket, Da ich des Himmels Bau erblicket, Der so viel Wunder weist.

Voll von geheimen Trieben Schwillt itzt, was Grosses auszuüben, Unruhig meine Brust; Geschwinder wallet jeder Tropfen Des Bluts, mir macht ein innres Klopfen Unsterblichkeit bewußt.

Es lodern reine Flammen In mir, die von der Gottheit stammen, Zur Ewigkeit hinauf. Entbrannt vom höhern Gegenstande, Zerreißt der Geist die irdischen Bande, Und flieht zum Ursprung auf.

Voll feurigem Entzücken, Seh ich itzt mit erhabnen Blicken Ins Buch der Ewigkeit. Erhabnster Geist, der alle Geister Aus Nichts schuf, unerschaffner Meister, Dein Pfad ist Herrlichkeit!

Das Größte in den Dingen Weißt du aus Nichts hervor zu bringen, Unendlich mächtiger Geist! Das Kleinste unter deinen Werken Kann uns viel tausendmal bestärken, Daß du das größte seyst.

Ihr, von euch selbst verführet, Die ihr im Staube euch verlieret, Verkennt nicht euren Gott! Seht ihn in Allmacht eingehüllet, Seht, wie mit Donner angefüllet, Euch jede Wolke droht.

Er straft — an jedem Orte Herrscht Beben; Donner sind die Worte; Sein Wink stürze Welten um: Er droht — und die Natur erzittert, Das Meer schäumt Wuth, die Erde splittert. Er winkt — Erd, Meer wird stumm.

Gott! unbegriffner Namen! Dein Ursprung heißt: von Niemand stammen. Dein End: unendlich seyn. Dein Thun: auf Wunder Wunder häufen. Du bists, den Niemand kann begreifen, Als Gott, als du allein!

O Herr! durch deine Größe Seh ich beschämt itzt meine Blöße. Kurzsichtiger Verstand! Ein Nichts will Gott, will Alles deuten, Ein Sterblicher Unsterblichkeiten, Ein Wurm, verhüllt in Sand!

Hier, wo durch Wahn verführet, Die Seel im Schutt des Eiteln irret, Und mit dem Stoffe ringt, Und, selbst geblendet von dem Schimmer Des Lichts, nie in die Heiligthümer Des Ueberirdischen dringt,

Wo sie sich selbst nicht kennet, Ach! Hier ist es ihr nicht vergönnet, Den Himmel auszuspähn. Erlaube, von den Seligkeiten In unerfahrnen Trunkenheiten Das Aussenwerk zu sehn! Erlaub demüthgen Blicken, Daß sie mit heiligem Entzücken Hinschmachten zu der Höh, Wo nach der Nacht im ewigen Liechte Ich einst mit hellerem Gesichte Ganz deine Wunder seh.