German poem
Die zärtliche Schwermuth
by Amand Berghofer (1745–1825)
Am stillen Hügel, den der Schatten Des Baumes deckt, wo unverrathen Mein Herz geheime Wehmuth nährt; Wo durchs Gebüsch die blassen Stralen Des Mondes einsam, schüchtern fallen Und nichts die leisen Seufzer stört.
Hier wo verschwiegne Dunkelheiten Den Trauerflor um mich verbreiten, Hier sinken, von dem harten Loos Des Schicksals müde, meine Glieder Auf schwarz bethautem Mose nieder — Hin in der stillen Schwermuth Schoos.
Dir Nacht vertrau ich meinen Kummer, Der meinen Geist in düstern Schlummer Der Wehmuth senkt: verhüll mein Leid; Laß mich in deine Tiefe weinen, Und meinen Schmerz mit dir vereinen; Sey Zeuge meiner Zärtlichkeit.
Ach dieses Herzens tiefe Wunden! Die noch kein Mitleid mir verbunden! Ach sie verbluten! Liebe quillt Heraus — verkennte Menschenliebe. Kommt, theilt mit mir die sanften Triebe Dieß Herz — das allzu zärtlich fühlt.