Versos German Anton Ohorn Christnacht

German poem

Christnacht

by (1846–1924)

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O heil’ge Nacht, voll Glück und Licht, Du wundersamste aller Nächte, Du bist das herrlichste Gedicht, Wie Menschensinn es nie erdächte; Dein Zauber füllt den ärmsten Raum, Er klingt aus jeder Liedesweise, Und duftend atmet ihn der Baum, Der Baum mit seinem grünen Reise.

Aus längstverlornem, trautem Glück Webt die Erinn’rung dir den Schleier, Du führst den müden Greis zurück Zu seiner Kindheit schönster Feier; Du nimmst die Menschheit in den Arm, Gleichwie die Mutter thut dem Kinde, Daß Not und Elend, Sorg’ und Harm, Sei’s auch für kurze Frist, entschwinde.

Wie heil’gen Friedens Unterpfand Ertönt der Glocken festlich’ Grüßen, Und durch das nächtlich stille Land Ziehn Engel hin auf frommen Füßen; Wo nur des Himmels Boten gehn, Wird Licht und Liebe ausgegossen … Doch Kindesang’ nur kann sie sehn. Dem noch die Wunderwelt erschlossen.

Wir hören ihrer Botschaft Ton – Doch lebt in uns der fromme Glaube? Verscheucht nicht Zwietracht, Haß und Hohn So oft des Friedens weiße Taube? Die Menschheit ringt in Kampf und Streit, Mit selbstgeschaffenen Beschwerden – O hört das Wort voll Seligkeit, Das Wort vom Frieden hier auf Erden!

O trinket aus der Liebe Born In dieses Festes Feierstunden, Vergesset Haß und Neid und Zorn Und schlagt nicht, sondern heilet Wunden! Zu euren Kindern lenkt den Blick, Auf ihrem Antlitz steht’s geschrieben: Der Weihnachtsfeier reinstes Glück Besteht im Geben und im Lieben. Anton Ohorn.