German poem
St. Posilippo
by Clara Müller-Jahnke (1860–1905)
Um das Haupt von Posilipp blüht ein Feuerblumenkranz, seine Schöne spiegelt sich in des Golfes Silberglanz. Ihm zu Füßen Napoli, maienhimmelüberblaut, lichtgebadet, lustdurchgellt, lockend: die Banditenbraut.
Um die Stirn des Posilipp fliegt es wie ein Nebelhauch; aus der Solfatara Schoß ringelt sich der gelbe Rauch. Düsterrote Orchideen – keine Blume lockt dich so – gleißen durch den Schwefeldampf: fiori di diavolo!
Um den Fuß des Posilipp geht ein Seufzen, dumpf und schwer; ewig gleichen Schlages senkt sich das Ruder in das Meer. An des Ruderers Fußgelenk klirrt das eiserne Geschmeid . . . aus der Tiefe ruhelos schluchzt uraltes Menschenleid.