Versos German Ernst Scherenberg Memento mori!

German poem

Memento mori!

by (1839–1905)

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Mittsommertag – vor seiner Schwüle Suchst, holde Maid, du Zuflucht hier; Des alten Friedhofs schatt’ge Kühle Weht um die heißen Schläfen dir.

Verloren ganz in süßes Träumen Gingst achtlos du den Pfad dahin; Geheimes Flüstern in den Bäumen Nahm dir gefangen Herz und Sinn.

Da plötzlich aus der Blätterwildniß Ragt auf vor dir ein Leichenstein, Und einer Jungfrau ernstes Bildniß Grüßt mahnend dich im Dämmerschein.

Es überrieselt dich ein Schauer: Dir ist’s, als öffne sich ihr Mund Und thäte dir in herber Trauer Das Räthsel ihres Daseins kund.

Wo heut du gehst, ist sie geschritten Im Prunke längst verscholl’ner Tracht; Sie hat wie du geliebt, gelitten, Sie hat wie du geweint, gelacht.

Dereinst vor hunderten von Jahren War sie so jung und schön wie du – Sie sank mit ungezählten Schaaren Wie herbstlich Laub zur Todesruh.

Nur eine winzig kurze Spanne, Da wirst auch du wie diese sein, Verfallen dem urew’gen Banne – Noch aber glänzt dein Sonnenschein.

So flieh die bange Todtenklage! Dir ist die Welt noch reich geschmückt – Nutz’ deines Sommers flücht’ge Tage: Beglücke – und du bist beglückt!

Ernst Scherenberg.