German poem
Dreyhundert und achtes Sonett: [Oft sagt mein treuer Spiegel mir, daneben]
by Francesco Petrarca (1304–1374)
Oft sagt mein treuer Spiegel mir, daneben Die andre Haut, der Geist, dem nichts gelinget, Kraft und Gewandtheit, die vergebens ringet: »Birg dir es nicht, du bist doch alt nun eben! Das Beßt' ist stets, sich der Natur ergeben, Da uns die Zeit um Kraft zu kämpfen bringet.« – Dann schnell, wie Wasserstrom die Gluth bezwinget, Erwach' aus langem Schlaf' ich neu zum Leben, Und seh', wie unsre Tag' im Flug entwallen, Wie einmahl nur das Leben wird gefunden; Und hör' ein Wörtlein drinnen mir erschallen Von ihr, die schönen Knotens nun entbunden, Doch hier vordem so einzig war vor Allen, Daß Allen, denk' ich, sie den Ruhm entwunden.
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