German poem
Drey und sechszigstes Sonett: [Stets liebt ich ihn und mag wohl jetzt noch lieben]
by Francesco Petrarca (1304–1374)
Stets liebt ich ihn und mag wohl jetzt noch lieben, Und werde lieben mehr von Tag zu Tagen Den süßen Ort, wohin ich oft mit Klagen Kehrte, wenn Amor sann, mich zu betrüben; Und bin entschlossen, Stund' und Zeit zu lieben, Da jeder eiteln Sorg' ich mich entschlagen, Mehr Sie noch, die mit freundlichem Betragen Mich durch ihr Beyspiel lehrte Gutes üben. Doch wer gedacht', auf einmahl zu gewahren, Mein Herz bald da, bald dorten zu bekriegen, Die süßen Feind' all', die so lieb mir waren? Amor, mit welcher Kraft weißt du zu siegen! Und wüchse nicht die Hoffnung mit dem Streben, Ich stürbe, wo ich länger möchte leben.
More by Francesco Petrarca
- Drey und achtzigstes Sonett: [Kein Heil umher, wohin mein Blick sich wendet!]
- Drey und dreyßigstes Sonett: [Doch nun ihr süß demüthig Lächeln blühet]
- Drey und fünfzigstes Sonett: [Müde bin ich, zu denken, wie ich's trage]
- Drey und neunzigstes Sonett: [Wenn jener Fels, der meines Thals Gehege]
- Drey und siebenzigstes Sonett: [Konnt' ich so gut in Lieder übertragen]
- Drey und vierzigstes Sonett: [Langsam und träge kommt mein Glück zur Stelle]
- Drey und zwanzigstes Sonett: [Die edle Seele, die so früh von hinnen]
- Dreyhundert und achtes Sonett: [Oft sagt mein treuer Spiegel mir, daneben]