German poem
Einhundert und acht und vierzigstes Sonett: [Amor, der heißen Drang in's Herz mir sandte]
by Francesco Petrarca (1304–1374)
Amor, der heißen Drang in's Herz mir sandte, Hält es zugleich mit eis'ger Furcht befangen, Und ob die Hoffnung größer, ob das Bangen, Ob Flamm', ob Kält', ist dunkel dem Verstande. Ich glüh' im Frost und beb' im Sonnenbrande, Immer voll Argwohn so, als voll Verlangen, Ganz wie ein Weib, das lieben Mann, umhangen Mit kleinem Schleyer, birgt, und Florgewande. Die erste dieser Plagen ist mir eigen, Zu glühen Tag und Nacht; wie süß das Wehe, Faßt kein Gedank', wie sollt' ein Reim es singen! Die andr' ist's nicht: vor meinem Feuer zeigen Sich gleich die Menschen; wer zu seiner Höhe Zu fliegen denkt, breitet umsonst die Schwingen.
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