German poem
Einhundert und siebentes Sonett: [Je sehnsuchtsvoller ich die Flügel breite]
by Francesco Petrarca (1304–1374)
Je sehnsuchtsvoller ich die Flügel breite, Zu euch, o süße, liebe Schar, zu dringen, So mehr verwirrt in Vogelleim die Schwingen Mir das Geschick, treibt irr mich in die Weite. Das Herz, das, send' ich's aus, mit mir im Streite, Will nur im sonn'gen Thal die Zeit verbringen, Wo unsre Fluthen mehr das Land umschlingen, Ehgestern ließ ich's weinend von der Seite. Ich ging zur Linken, es sich rechtwärts wandte, Es nach Jerusalem an Amors Händen, Der Stärk' ich folgend nach Aegyptenlande. Doch pflegt Geduld in Schmerzen Trost zu spenden; Denn wie es langer Brauch uns vorgeschrieben, Sind selten wir und kurz beysammen blieben.
More by Francesco Petrarca
- Einhundert und neunzigstes Sonett: [O Luft, die, blonden Locken angeschmieget]
- Einhundert und sechstes Sonett: [Du Haus des Zorns! o Born du der Bedrängniß!]
- Einhundert und sechszehntes Sonett: [Was machst, was denkst du, Geist. Wird's Friede geben]
- Einhundert und sechszigstes Sonett: [Die holde Luft, die rings erhellt die Höhen]
- Einhundert und siebenzehntes Sonett: [Kein müder Schiffer je zum Hafen flüchtet]
- Einhundert und siebenzigstes Sonett: [Seele, die du von so verschied'nen Dingen]
- Einhundert und viertes Sonett: [Möcht' Himmelsflamm' auf deine Locken träufen]
- Einhundert und vierzehntes Sonett: [Der Wille, so mich mit zwey feur'gen Sporen]