German poem
Neun und fünfzigstes Sonett: [Ich bin so müde unterm Druck der Sünden]
by Francesco Petrarca (1304–1374)
Ich bin so müde unterm Druck der Sünden, Dem alten, und der schuldbefangnen Weise, Daß ich zu irren fürcht' einmahl vom Gleise, Und mich in Widersachers Hand zu finden. Wohl kam ein großer Freund, mich zu entwinden Durch höchste Huld, die nie ich sattsam preise Drauf flog er schnell aus meiner Augen Kreise, Daß ich umsonst umschau', ihn zu erkünden. Doch tönet laut noch seines Worts Verkünd'gung: »Belad'ne ihr, seht da aus dem Bedrängniß Den Pfad! Kommt her, wenn euch kein Andrer zügelt!« O welche Gnad' und Liebe, welch' Verhängniß Gibt Taubenschwinge mir, die aus Versünd'gung Zur Ruh' empor mich von der Erden flügelt!
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