German poem
Sieben und achtzigstes Sonett: [Sie war mir, die mein Herz trägt in den Blicken]
by Francesco Petrarca (1304–1374)
Sie war mir, die mein Herz trägt in den Blicken, Da, wo ich liebesinnend saß, erschienen; Vom Sitz da sprang mit scheuen, bleichen Mienen Ich auf, ihr meine Ehrfurcht auszudrücken. Mein Leid durchschauend, ließ sie mich erblicken So neue, seltne Farben, daß mit ihnen Sie Jovis Zorn in größter Wuth versühnen Und seiner Hand die Waffen konnt' entrücken. Zusammen bebt' ich da, und auf dem Wege Fortschreitend sprach sie, daß ich kaum ertragen Ihr Wort und ihrer Augen süßes Tagen. Nun wohnt so viele Freude mir im Herzen, Wenn solchen Grußes Segen ich erwäge, Daß nichts mich schmerzt, noch jemahls könnte schmerzen.
More by Francesco Petrarca
- Sechs und zwanzigstes Sonett: [Apollo, wenn noch lebt dein schön Verlangen]
- Sechstes Sonett: [Schlaf, träge Federn und des Gaumes Fröhnen]
- Sechszehntes Sonett: [Der Thiere gibt's, die nach des Lichtes Quelle]
- Sechszigstes Sonett: [Nie war ich, Donna, müd', um euch zu minnen]
- Sieben und dreyßigstes Sonett: [Gold, Perlen, Blumen, roth und weiß, verbunden]
- Sieben und fünfzigstes Sonett: [Als Simon hohem Werke sich ergeben]
- Sieben und neunzigstes Sonett: [Die zarte Blässe, welche hielt umflossen]
- Sieben und sechszigstes Sonett: [Entflohn der Haft, wo Amor lang' in Mauern]