German poem
Sechstes Sonett: [Schlaf, träge Federn und des Gaumes Fröhnen]
by Francesco Petrarca (1304–1374)
Schlaf, träge Federn und des Gaumes Fröhnen, Die Tugend haben sie der Welt genommen, Drum ist von ihrem Lauf wie abgekommen Unsre Natur, besiegt durch lang Verwöhnen. Des Himmels holde Lichter, die verschönen Des Menschen Leben, sind so ganz verglommen, Daß wie ein Wunder es wird aufgenommen, Will Sangesstrom vom Helikon ertönen. »Nach Myrthen und nach Lorbeer welches Streben! Arm mußt und nackt, Philosophie, du schreiten!« So spricht das Volk, niederm Gewinn ergeben. Nicht viele werden dich dorthin begleiten; So mehr muß ich, o edler Geist, dich flehen, Vom muthigen Beginn nicht abzustehen.
More by Francesco Petrarca
- Sechs und sechszigstes Sonett: [Da nicht sobald mein Hoffen zu erreichen]
- Sechs und siebenzigstes Sonett: [Orso, wohl kann man Eurem Roß anlegen]
- Sechs und vierzigstes Sonett: [Gesegnet sey mir Jahr und Tag empfangen]
- Sechs und zwanzigstes Sonett: [Apollo, wenn noch lebt dein schön Verlangen]
- Sechszehntes Sonett: [Der Thiere gibt's, die nach des Lichtes Quelle]
- Sechszigstes Sonett: [Nie war ich, Donna, müd', um euch zu minnen]
- Sieben und achtzigstes Sonett: [Sie war mir, die mein Herz trägt in den Blicken]
- Sieben und dreyßigstes Sonett: [Gold, Perlen, Blumen, roth und weiß, verbunden]