German poem
Zweyhundert und neunzehntes Sonett: [Hell sah' ich Funken aus zwey Lichtern tagen]
by Francesco Petrarca (1304–1374)
Hell sah' ich Funken aus zwey Lichtern tagen Und flimmernd gegen mich heran sich spinnen, Und seufzend her aus klugem Herzen rinnen Beredsamkeit auf sanfter Fluth getragen, Daß beym Erinnern schon ich will verzagen, Gedenk' auf's Neu' ich jenes Tages innen, Wie damahls überrascht ich kam von Sinnen, Als sie gewohnter Härte sich entschlagen. Die Seele, stets genährt in Schmerz und Leiden, (So Viel vermag ein alt befestigt Pflegen!) Vermochte nicht, das Doppelglück zu fassen, Da schon beym Vorgeschmack so neuer Freuden Sie Furcht und Hoffnung wechselnd bang bewegen, Und zweifelnd oft sie zögert, mich zu lassen.
More by Francesco Petrarca
- Zweyhundert und fünftes Sonett: [Schlimmes bedrängt mich, Schlimmeres ich sehe]
- Zweyhundert und fünfzehntes Sonett: [Ich lausch' und kann doch Kunde nicht erlangen]
- Zweyhundert und fünfzigstes Sonett: [Die Augen und der Arm' und Füße Ründung]
- Zweyhundert und neuntes Sonett: [Wer sehn will, was hier unter uns gewähren]
- Zweyhundert und neunzigstes Sonett: [Dies morsch hinfäll'ge Gut, dies flücht'ge Scheinen]
- Zweyhundert und sechsstes Sonett: [Ein frisches Rosenpaar, gepflückt in Eden]
- Zweyhundert und sechszehntes Sonett: [Wenn frohe Liebende aus einem Munde]
- Zweyhundert und sechszigstes Sonett: [Mich hob dahin der Geist auf fernem Gleise]