Versos German Franz Werfel Eine alte Frau geht

German poem

Eine alte Frau geht

by (1890–1945)

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Eine alte Frau geht wie ein runder Turm Durch die alte Hauptallee im Blättersturm. Schwindet schon, indem sie keucht, Wo um Ecken schwarze Nebel wehen. Wird nun bald in einem Torgang stehen. Laute Stufen langsam aufwärts gehen, Die vom trägen Treppenlichte feucht.

Niemand hilft, wie sie ins Zimmer tritt, Ihr beim Ausziehn ihrer Jacke mit. Ach, sie zittert bald an Händ' und Bein'. Schickt sich an mit schwerem Flügelschlagen Aufgehobene Kost von alten Tagen Auf des Kochherds armes Rot zu tragen. Bleibt mit ihrem Leib und sich allein.

Und sie weiß nicht, wie sie kaut, Daß in ihr sich Söhne aufgebaut. (Nun, sie freut sich ihrer Abendschuh') Was aus ihr kam, steht in andern Toren, Sie vergaß den Schrei, wenn sie geboren, Manchmal nur im Straßendrang verloren, Nickt ein Mann ihr freundlich »Mutter« zu.

Aber Mensch, gedenke Du in ihr, Ungeheuer auf der Welt sind wir, Da wir brachen in die Zeiten ein. Wie wir in dem Unbekannten hängen, Wallen Schatten mit gewaltigen Fängen Die ins letzte uns zusammendrängen. Diese Welt ist nicht die Welt allein.

Wenn die Greisin durch die Stube schleift, Ach, vielleicht geschieht's, daß sie begreift. Es vergeht ihr brüchiges Gesicht. Ja, sie fühlt sich wachsender in allem Und beginnt auf ihre Knie zu fallen, Wenn aus einem kleinen Lampenwallen Ungeheuer Gottes Antlitz bricht.