German poem
Ein Lebens-Lied
by Franz Werfel (1890–1945)
Feindschaft ist unzulänglich. Der Wille und die Taten, Ein erdbewußtes Leben In sich, was sind sie, Welt? Es schwebt in jedem Schicksal, Im Schritt der Lust und Schmerzen, Im Morden und Umarmen, Anmut des Menschlichen!
Nur das ist unvergänglich! Sahst Du die wilden Augen Buckliger Bauernmädchen? Sahst Du, wie sie sich langsam Weltdamenhaft verschleiern, Sahst Du in ihnen blinken, Das Grün von Festestraden, Musik und Lampennacht?
Sahst Du den Bart von Kranken, Ihr Wolken über Pappeln, Wie er an Gott erinnert, Getaucht in einen Sturm? Sahst Du die große Güte Im Sterben eines Kindes? Wie uns der holde Körper Mit Zärtlichkeit entglitt?
Sahst Du das Traurigwerden Von Mädchen an, am Abend? Wie sie die Küchen ordnen Und fern, wie Heilige sind. Sahst Du die schönen Hände Durchfurchter Nachtgendarme, Wenn sie den Hund liebkosen Mit grobem Liebeswort?
Wer handelnd sich empörte, Bedenke doch!! Unsagbar Mit Reden und Gestalten Sind wir uns fern und nah! Daß wir hier stehn und sitzen, Wer kann's beklommen fassen?! Doch über allen Worten Verkünd' ich, Mensch, wir sind!!