German poem
Schrei
by Franz Werfel (1890–1945)
Es wandeln oben vielleicht die reinen Dämonen, Ernste Frauen, Weilende Augen ohne Ebbe, Mit abwärts schon wachsendem Mund . . .
Aber wir unten Wir Knechte In diesem Pfuhl von Luft! Ausatmend, einatmend, Die Zeit vertreibend, Gute Vergesser . . . Und dennoch Von uns befallen, Von uns befallen. Im Hals den großen Skorpion, Der an den Gaumen juckt. Den gebundenen Teufel, Mit Stachel und Scher', Den mordenden Asmodi, Der zum Mund ausführt, Verbindlich, eitel, wohlgestalt, Der Lügenvater Über unsere Edle Von Wahrheit blutende Lippe.
Wir unten, wir, Hilflos wie Knechte! Erstickt von Betrügen Erwürgt von Verraten, Gebeugte Auswandrer Wir aus uns selber, Verbrecher, verfolgt Von gemordeten Worten. Wettläufer ins Aus, Preisspringer ins Ende, Von den Türmen der Stunden— Zerekelt, ewiglich, elend,— Träge uns schleudernd in Schlaf.