German poem
Vater und Sohn
by Franz Werfel (1890–1945)
Wie wir einst im grenzenlosen Lieben Späße der Unendlichkeit getrieben Zu der Seligen Lust— Uranos erschloß des Busens Bläue, Und vereint in lustiger Kindertreue Schaukelten wir da durch seine Brust.
Aber weh! der Äther ging verloren, Welt erbraust und Körper ward geboren, Nun sind wir entzweit. Düster von erbosten Mittagsmählern Treffen sich die Blicke stählern, Feindlich und bereit.
Und in seinem schwarzen Mantelschwunge Trägt der Alte wie der Junge Eisen hassenswert. Die sie reden, Worte, sind von kalter Feindschaft der geschiedenen Lebensalter, Fahl und aufgezehrt.
Und der Sohn harrt, daß der Alte sterbe Und der Greis verhöhnt mich jauchzend: Erbe! Daß der Orkus widerhallt. Und schon klirrt in unseren wilden Händen Jener Waffen—kaum noch abzuwenden— Höllische Gewalt.
Doch auch uns sind Abende beschieden An des Tisches hauserhabenem Frieden, Wo das Wirre schweigt, Wo wirs nicht verwehren trauten Mutes, Daß, gedrängt von Wallung gleichen Blutes, Träne auf- und niedersteigt.
Wie wir einst in grenzenlosem Lieben. Späße der Unendlichkeit getrieben, Ahnen wir im Traum. Und die leichte Hand zuckt nach der greisen Und in einer wunderbaren, leisen Rührung stürzt der Raum.