Versos German Friedrich Nietzsche An den Mistral

German poem

An den Mistral

by (1844–1900)

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Ein Tanzlied.

Mistral-Wind, du Wolken-Jäger, Trübsal-Mörder, Himmels-Feger, Brausender, wie lieb’ ich dich! Sind wir Zwei nicht Eines Schoosses Erstlingsgabe, Eines Looses Vorbestimmte ewiglich?

Hier auf glatten Felsenwegen Lauf’ ich tanzend dir entgegen, Tanzend, wie du pfeifst und singst: Der du ohne Schiff und Ruder Als der Freiheit freister Bruder Ueber wilde Meere springst.

Kaum erwacht, hört’ ich dein Rufen, Stürmte zu den Felsenstufen, Hin zur gelben Wand am Meer. Heil! da kamst du schon gleich hellen Diamantnen Stromesschnellen Sieghaft von den Bergen her.

Auf den ebnen Himmels-Tennen Sah ich deine Rosse rennen, Sah den Wagen, der dich trägt, Sah die Hand dir selber zücken, Wenn sie auf der Rosse Rücken Blitzesgleich die Geissel schlägt, –

Sah dich aus dem Wagen springen, Schneller dich hinabzuschwingen, Sah dich wie zum Pfeil verkürzt Senkrecht in die Tiefe stossen, – Wie ein Goldstrahl durch die Rosen Erster Morgenröthen stürzt.

Tanze nun auf tausend Rücken, Wellen-Rücken, Wellen-Tücken – Heil, wer neue Tänze schafft! Tanzen wir in tausend Weisen, Frei – sei unsre Kunst geheissen, Fröhlich – unsre Wissenschaft!

Raffen wir von jeder Blume Eine Blüthe uns zum Ruhme Und zwei Blätter noch zum Kranz! Tanzen wir gleich Troubadouren Zwischen Heiligen und Huren, Zwischen Gott und Welt den Tanz!

Wer nicht tanzen kann mit Winden, Wer sich wickeln muss mit Binden, Angebunden, Krüppel-Greis, Wer da gleicht den Heuchel-Hänsen, Ehren-Tölpeln, Tugend-Gänsen, Fort aus unsrem Paradeis!

Wirbeln wir den Staub der Strassen Allen Kranken in die Nasen, Scheuchen wir die Kranken-Brut! Lösen wir die ganze Küste Von dem Odem dürrer Brüste, Von den Augen ohne Muth!

Jagen wir die Himmels-Trüber, Welten-Schwärzer, Wolken-Schieber, Hellen wir das Himmelreich! Brausen wir … oh aller freien Geister Geist, mit dir zu Zweien Braust mein Glück dem Sturme gleich. –

– Und dass ewig das Gedächtniss Solchen Glücks, nimm sein Vermächtniss, Nimm den Kranz hier mit hinauf! Wirf ihn höher, ferner, weiter, Stürm’ empor die Himmelsleiter, Häng ihn – an den Sternen auf!