German poem
Wer alles mag in Gott, in allem Gott betrachten
by Friedrich Rückert (1788–1866)
Wer alles mag in Gott, in allem Gott betrachten, Hat keinen Grund, ein Ding groß oder klein zu achten. Wie sollte scheinen ihm ein Allergrößtes groß, Da es ein Kleinstes ist vom Einziggroßen bloß. Wie dürfte gelten ihm das Allerkleinste klein, Da mit dem Größten es hat Gottes Geist gemein? Nach deiner Einsicht nur erhebest du zumeist Das, was am klarsten dir abspiegelt Gottes Geist. Je höher aber selbst wird deine Einsicht steigen, Je klarer wird der Geist in allem dir sich zeigen. Des Bösen Schein ist's, was des Guten Glanz verhält; Zerstör' das Bös' in dir, so siehst du gut die Welt.
More by Friedrich Rückert
- Wenn sein Gottähnliches du willst dem Menschen zeigen
- Wenn sie traurig mir aussehn
- Wenn zur Thür herein
- Wenn, wie mich, dich Kummer labt
- Wer bist du, der du anklopfst gar nicht leise
- Wer bist du, Knäbchen, klingend mit dem Sporne
- Wer einem Freunde klagt, erleichtert sich das Herz
- Wer einmal hier hat in geliebtem Angesicht