German poem
Nirgends kann ich Freundschaft schauen
by Hafis (1326–1389)
Nirgends kann ich Freundschaft schauen: Wo die Freunde doch geblieben?
Ging die Freundschaft denn zu Ende, Und wo blieben nur die Lieben?
Trüb erscheint der Quell des Lebens: Kömmt kein Chiser Glück zu künden?
Farbe änderte die Rose: Was geschah den Frühlingswinden?
Niemand spricht von einem Freunde, Der ihm wäre treu geblieben:
Lebt kein Mensch, der Dank empfände, Und wo weilen nur die Lieben?
Hingeschleudert in die Mitte Ward der Ball der Gunst und Ehre;
Niemand naht dem Tummelplatze: Was geschah dem Reiterheere?
Hunderttausend Rosen blühen, Und kein Vogelruf will schallen:
Was begegnete den Sprossern? Was geschah den Nachtigallen?
Nimmer spielt Sŏhrē; – die Laute Scheint den Flammen preisgegeben;
Niemand hat mehr Lust am Rausche: Wo doch wohl die Trinker leben?
Freundestadt und Liebesscholle Hiess man ehmals diese Gauen:
Ging die Liebe denn zu Ende, Und ist kein Monarch zu schauen?
Kein Rubin – schon sind es Jahre – Ward dem Schacht der Huld entnommen:
Wo doch wohl die Gluth der Sonne, Wind und Regen hingekommen?
Die geheimen Wege Gottes Kennt kein Mensch, Hafis; drum schweige,
Denn von wem willst du erfahren Was der Zeiten Schooss entsteige?
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