German poem
Wie lange soll mich kräncken
by Hans Assmann von Abschatz (1646–1699)
Wie lange soll mich kräncken Ein traurig Angedencken Der vor-gepflognen Lust/ Nachdem ich müssen scheiden/ Mit Widerwillen meiden Lisillens zarte Brust!
Die Liebe will mir sagen/ Sie soll im Hertzen tragen Die Hoffnung mich zu sehn/ Das meine soll ingleichen Nicht von der Meynung weichen/ Es werde bald geschehn.
Sie saget: Wenn dem Hertzen Die überstandnen Schmertzen Beliebt und süsse seyn/ So soll vielmehr die Freude/ Die ich voritzo meide/ Mit Lust mir kommen ein.
Schweig/ Feindin voller Tücke! Wie sehr mir mein Gelücke Vorhin gefallen wohl/ So sehr kränckt izt die Sinnen Was sie nicht haben künnen Und ich entbehren soll.
Kein Hoffen/ kein Ergötzen Kan den Verlust ersetzen Den ich gehabt an ihr: Es wachsen meine Wunden/ Wenn mir die süssen Stunden Im Hertzen kommen für.
Ich weiß/ was mir genommen/ Obs möchte wiederkommen Weiß weder sie noch ich. Die Mittel sind zu linde Der Pein/ die ich empfinde/ Kein Arzt weiß Rath für mich.
Ach könt ich nur versencken Mein taurigs Angedencken Der vorgepflognen Lust! Gedächt ich nicht ans Scheiden/ So wäre mir kein Leyden Und keine Noth bewust.
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