German poem
Am Kochbrunnen in Wiesbaden
by Heinrich Kämpchen (1847–1912)
Brodelnd, wie aus einem Riesenkocher, Steigt das Wasser aus der Tiefe aufwärts, Unerschöpflich und in gleicher Fülle. – Wallend, dampfend in der Marmorfassung, Wie in einer Opferschale, kündet’s Von geheimnisvollen Mächten, die uns Heilkraft spenden aus der Erdentiefe. – Schon der Kelte trank von diesem Wasser, (Er, der erste Siedler dieser Gründe) Der Germane, und die Römer bauten Thermen hier und heilten ihre Wunden. – Waren Nymphen der Hygiea *) eh’mals Schützerinnen dieses Bronnens – heute Schöpfen wieder Nymphen und kredenzen Ihren Becher anmutsvoll zum Trunke. – Kranke aller Nationen kommen Hier Genesung suchend – baden, trinken, Und gesunden von den heißen Quellen. – „Deutsches Nizza“, wie man dich genannt hat, Prächtiges Wiesbaden, mögen immer Deine Wasser kochen – immer, immer – Und die Kranken hier Genesung finden. –