German poem
Am goldenen Sonntag
by Heinrich Kämpchen (1847–1912)
Herrlichkeiten sondergleichen, Schmuck und Pelze, Seidenstoffe, Seh’n wir wieder aufgestapelt Ueberall im reichsten Maße. –
Leck’res auch zum Essen, Trinken, Wildpret, Weine und Geflügel – Was das Herz erfreut, begehret, Lockt durch blanke Spiegelscheiben. –
Und der Arme, der die Straßen Notgedrungen muß passieren, Wird magnetisch angezogen Von dem Prunk und von der Fülle. –
Dicht, ganz dicht vor seinen Augen Liegt der Ueberfluß gebreitet – Nur ein dünnes Glas ist Schranke Zwischen ihm und all’ den Schätzen. –
Einmal essen, einmal trinken Von dem Schönen, o wie gerne! Einmal auch sich besser kleiden, Aber Geld – er ist Prolete. –
Kaufen, kaufen! Wie zum Hohne Tönt der Ruf ihm in die Ohren – Kaufen soll der arme Teufel, Und ganz leer sind seine Taschen. –
Hungern kann er nur und lungern Vor den ausgestellten Waren – Und er geht, mit einem Fluche Auf die Satten, auf die Reichen. –