German poem
Auf dem Baaker Berge
by Heinrich Kämpchen (1847–1912)
Mir ist als hört’ ich längst verscholl’nen Gruß, Als wollt’ es sich mit Raunen an mich schmiegen – Hier, wo ich steh’, stand einst des Römers Fuß, Hier ließ er seine Adler fliegen. – Von dieser Höh’ hat er hinabgespäh’t Zur Ruhr und in die Brukt’rer Gaue – Noch hat die Zeit die Spuren nicht verweht Auf diesem Berg von seinem Baue. –
Noch seh’ ich dort den aufgeworf’nen Wall, Längst ist die Pflugschar drüber hingegangen Und aufgewühlt hat sie von Fall zu Fall Das Kurzschwert, das die Römer schwangen. – Dazu den breiten, rostzerfress’nen Schild Mit tiefen, wuchtig eingehau’nen Kerben – Die deutsche Streitaxt traf ihn hart und wild Und schlug das Römerglück in Scherben. –
Hart war der Kampf – die Wallburg fest gefügt – Und hinter ihr nur schlachtgewohnte Streiter – Kein Schwerthieb fehlet und kein Speerwurf trügt, Mann gegen Mann – so rang es weiter. – Die Wallburg fiel, wie stark sie auch getürmt, Das Pfahlwerk sank, bedeckt von Römerleichen – Als Brukt’rer und Sigamberer gestürmt, Da mußten die Kohorten weichen. –
Da scholl vom Schlachtgesange Odins Hain, Da sauste Donars wucht’ger Hammer nieder, Der Schrecken fuhr den Römern in’s Gebein, Nur wen’ge sah’n die Heimat wieder. – Und Freudenfeuer sagten Nord und Süd: Vernichtet sind die räuberischen Horden! – Und Opferbrände haben hier gesprüht Und Menschen sind geopfert worden. –
Ja, heilig, heilig ist ringsum der Grund, Doch blutgedünget auch die braune Erde – Hier, wo die alte Römerburg einst stund, Die trutzige dem deutschen Herde. – Noch zeigt der Berg bis jetzt den kahlen Schopf, Der unten tief im Eichwald sich verlieret – Wie gut, daß noch kein überwitz’ger Kopf Mit einem Denkmal ihn gezieret. –