German poem
Auf dem Friedhof
by Heinrich Kämpchen (1847–1912)
Im Reich der Toten will ich mich ergehen, Zum stillen Friedhof lenk’ ich meine Schritte – Wie ist so wohl mir in der Gräber Mitte Nun, wo die linden Frühlingslüfte wehen.
Auch hier ist Duft von blühenden Syringen Und ihre Klagen schluchzet Philomele – Und daß dabei auch der Kontrast nicht fehle, Hör’ ich vom Dorfe helles Fiedelklingen. –
Dort tanzen sie, die Dirnen und die Buben, Das Leben hat den Anfang erst genommen – Hier ist zu seinem Ende es gekommen Und ruht sich aus in festverschloss’nen Stuben. –
Auch sie, die jetzt hier schlafen bei Zypressen, Sie haben einst gejauchzet und gesungen Wie jene dort, die sich im Tanz geschwungen – Auch jene werden schlafen und vergessen. –
Und wahrlich, wenn ich es so recht bedenke, Und müßt’ ich wählen zwischen hier und drüben, Ich wählte mir die stille Ruhstatt hüben, Wohin ich jetzt schon meine Schritte lenke. –