German poem
Holzhackers Werbung
by Heinrich Kämpchen (1847–1912)
Wie oft unter deinem Fenster Hab’ durchweint ich die ganze Nacht, Indes du im Daunenbett träumtest Von deiner Geschmeide Pracht. –
Nicht länger will ich noch weinen, Die Tränen sind nutzlose Saat, Was Worte und Tränen nicht können, Das erzwinget die trotzige Tat. –
Du bist eines Grafen Tochter, Ich bin ein Holzhackerssohn, Ich führe die Axt im Wappen, Du trägst eine güldene Kron’. –
Ich fälle im Walde die Bäume, Du lockst die Ritter und Herrn, Ich bin ein winziges Lichtchen, Du bist ein prächtiger Stern. –
Und ob es auch klinget wie Hohne, Dich lieb’ ich allein auf der Welt, Dem Sohn aus des Holzhackers Hütte Die Tochter des Grafen gefällt. –
Du schaust auf mich mit dem Blicke, So wie der Herr auf den Knecht, Der, statt ihm den Bügel zu halten, Sich selbst setzt im Sattel zurecht. –
Ich vertreib’ dir die stolzen Blicke, Ja, schau’ mich nur recht an mit Hohn – Eh’ sich der Mond wieder wechselt, Trag’ ich deine güldene Kron’. –
Eh’ sich der Mond wieder wechselt, Bist du des Holzhackers Weib, Dann leg’ ich die markigen Arme Um deinen hochgräflichen Leib. –
Und willst du nicht willig dich geben, Und folgst du nicht willig zum Wald, So schlag’ ich dich doch noch danieder, Trotz meiner Liebe Gewalt. –
Dann mögen die Herren mich richten Da droben im gräflichen Saal, Dann mag der Henker mich treffen, So wie ich dich traf mit dem Stahl. –
Wir führen dann beide zusammen Ein Wappen mit blutiger Kron’, Mit Axt und Richtschwert darinnen, So liebt es der Holzhackerssohn. –