German poem
Hinab
by Heinrich Kämpchen (1847–1912)
Hochherzig nenn’ ich jeden Mann, Der frei von eig’nen Händen sinket Und ohne Furcht vor’m Todesbann Den dunklen Lethetropfen trinket. –
Heil ihm, der also frei und kühn Vom Leben scheidet ohne Zagen, Der, ob rings Blumen ihn umblüh’n, Hinab sinkt zu des Hades Klagen. –
Ob auch die Welt ihn treulos nennt An seinem Gott und seinem Leben – Wo solche Todesflamme brennt, Wer sollte da noch feige beben? –
Nein, nur hinab, mit kaltem Blut, Aus diesem niedrigen Gewühle, Was kümmert euch die wilde Glut, Bei mir steht es, wenn ich sie kühle. –
Was kümmert’s euch, die ihr vergnügt Und wohlig schwimmt im Meer der Tage, Wenn ich, dem dieses nicht genügt, Den Sprung ins Ungewisse wage? –