Versos German Johann Karl Wilhelm Geisheim Der Zweikampf

German poem

Der Zweikampf

by (1784–1847)

Listen in the reader

Ein alter deutscher Degenknopf, Noch einer von der Leuthner Schlacht, Der manche Narb’ an seinem Kopf Aus Friedrichs Siegen mitgebracht, Nahm einst als Obrist eine Wacht Bei dem Vorbeiritt in Betracht, Und fand da etwa einen Zopf, Der nicht nach Vorschrift war gemacht.

Zum Fähnrich, der die Wache führt, Spricht er: Man merkt, ihr seid noch jung; Ihr hieltet schlechte Musterung.

Der Fähnrich färbt sich; tief berührt Des Obrist’s Vorwurf seinen Stolz, Und bleibt er jetzt auch stumm wie Holz, Er geht den andern Tag ihn an, Und fordert für Beleidigung Als Mann von Ehr’ Genugthuung.

Der Obrist siehet willig ein, Daß, was er sagte, kränken kann. Er sitzet just beim Glase Wein: Herr Fähnrich, spricht er, thut Bescheid, Vergessen sei die Kleinigkeit. Ihr mustertet die Zöpfe schlecht, Ich musterte das Wort nicht recht: Wir heben auf. Herr Obrist, nein; Ein Kampf nur kann hier Richter sein. Ich bin von altem Stamm und Blut, Beweisen muß ich, daß der Muth Der Väter nun auf mir auch ruht. So spricht der Fähnrich stolz. – Nun gut! So wollen wir uns schießen, Schatz; Doch wie und wenn, auf welchem Platz? Ich dächte gleich, und hier im Saal; Denn mir gebühret ja die Wahl, Als dem Geforderten. Ihr macht, Fall’ ich nach des Geschicks Gebot, Hier mir bequemer meinen Tod. Drum frisch zur That! Zwar wird es Nacht. Doch dächt’ ich so: Ich setz’ mich dort An jener Tafel schmalen Ort, Am andern Ende setzt ihr hier Euch grade gegenüber mir, Von Angesicht zu Angesicht – Ihr seht, die Kerzen brennen hell – Zielt ihr nach mir bei vollem Licht; Die Diener aber tragen schnell Die Lichter dann hinaus, und krach! Schießt flugs ihr los. Man bringet Licht, Und träfet ihr vielleicht mich nicht, Schieß’ ich auf gleiche Weise nach.

Der Fähnrich, überrascht, so schnell Das Abenteuer zu bestehn, Läßt’s, wie der Obrist will, geschehn. Pistolen sind sogleich zur Stell’, Und Alles ist zum Schuß bereit.

Mit ernst gestimmter Miene weiht Der Oberste beim Glase Wein Zum Kampf sich und den Gegner ein, Und setzet sich dann an das Ziel.

Der Fähnrich hat den ersten Schuß, Legt an, und zielt. – Es ist kein Spiel! Nah sitzt der Mann, und treffen muß Er, wenn die Hand er fest behält.

Man trägt die Lichter schnell hinaus, Der Fähnrich schießt, und donnernd fällt Der Schuß, und krachet durch das Haus, Im Saal’ doch rührt sich keine Maus.

Die Diener treten furchtsam ein; Todt kann der Obrist sein; doch nein! In seiner alten Stellung ruht Er auf dem Sessel wohlgemuth, Vom Tod’ verschont und unversehrt.

Herr Fähnrich, spricht er, jetzt begehrt Die Ordnung, daß ich schießen soll; Doch, ist gesühnt nun euer Groll, So ist, zu gehn, euch unverwehrt.

Der Fähnrich doch will ehrenvoll Dem Kampf Genüge thun. Wohlan! So werd’ ich schießen! – Feierlich Bereitet er zum Schusse sich; Er spannt, und legt, scharf zielend, an. Eins! – rufet er. Man schaffet schnell Die Lichter fort; – Zwei! hört man; – Drei! – Prrr! knallt es. – Augenblicklich hell Wird es im Saal; man stürzt herbei. Weg ist der Fähnrich. – Traf das Blei? Nein, nein! Er steckt gesund und frisch, – Man sucht ihn leuchtend, – unter’m Tisch.

Er flieht die Blicke schambedeckt. Doch drauf der Obrist freundlich spricht: Mein wackrer Fähnrich, schämt euch nicht; Ich hab’ auch unter’m Tisch’ gesteckt.